Nintendos Auftritt auf der Gamescom 2011 – Ein Kommentar

(Simon) Wieder einmal haben wir mit unserem Team (NFans.de) eine Messe besucht und somit ist es an der Zeit ein persönliches Fazit zu ziehen. Zunächst einmal ist mir etwas Grundsätzliches aufgefallen: Die Stände vieler Firmen erinnerten stark an jene im vergangenen Jahr. Besonders Electronic Arts und Nintendo selbst stachen heraus. Bei EA auch kein Wunder, denn die ewigen Updates von Sport- und Rennspielen lassen kaum eine kreative Neugestaltung zu und einer der Messestars wie Battlefield 3 war ausgelagert und vom eigentlichen Stand getrennt.

Weiß, neutral, ein unbeschriebenes Blatt, willkommen in der Schweiz am Nintendostand

Nintendo machte es sich noch einfacher. An gleicher Stelle wie im vergangenen Jahr waren die Japaner zu finden. In neutralem Weiß gehalten, wurden an den Spielstationen zwar einige vielversprechende Titel gezeigt, der große Aha-Effekt blieb aber aus. Das 3DS-Portfolio konnte überzeugen, aber letztlich haben die portablen Konsolen in den letzten Jahren den Videospielkosmos eher ergänzt, denn technisch und spielerisch neue Türen aufzustoßen. Nintendos Toptitel war somit Zelda: Skyward Sword, das sich zum einen durch die lange Entwicklungszeit – schon vor einem Jahr spielten wir eine Demo – und zum anderen durch die technische Überlegenheit der Konkurrenz langsam aber sicher entzaubert. Ich bin überzeugt, dass der Titel gut wird, aber angesichts potentieller Blockbuster wie Uncharted, Batman, Assassin’s Creed, Skyrim, Forza, Modern Warfare etc. wird es höchste Zeit, dass Zelda die Wii würdig in den Ruhestand verabschiedet und eine neue technische Ära Einzug hält.

Wii U: Nintendos missverstandenes Phantom

Apropos: Enttäuschend war natürlich auch das komplette Fehlen der Wii U. Da wäre zunächst das unter peinlichen Umständen wieder abgesagte Presseevent in Frankfurt und dann die dürftige Erklärung, man könne die Konsole aus Sicherheitsgründen nicht im Rahmen der Gamescom zeigen. Hinter den Kulissen gab es freilich andere Töne zu hören. Nach der völlig missglückten Wii-U-Präsentation auf der E3 wurde offenbar in Japan die Reißleine gezogen. In der jetzigen Form ist die Wii U einfach nicht präsentabel; die dünne, grafisch lächerliche Miishow gepaart mit HD-Sequenzen, die von Konkurrenzkonsolen stammten, haben es offenbar nicht gebracht. Dafür Hut ab, das war in etwa so, als würde Mercedes den neuen SLS vorstellen, der aber noch mit einem BMW-Motor fährt. Die eigene Kritik Iwatas, man habe dem Kunden ein falsches Bild vermittelt, ist grotesk. Bei der E3 geht es um nichts anderes, als den Leuten ein Produkt ausführlich und medienwirksam zu präsentierten. Wenn Nintendo Japan schon die restlichen Weltmärkte so selbstgewiss bevormundet und deren Marketing praktisch fernsteuert, dann doch bitte mit etwas mehr Sachverstand und weniger Selbstgefälligkeit, oder reichen dreißig Jahre Knowhow im Einführen neuer Systeme nicht?

Aber Nintendo selbst wirkt nicht unbedingt überzeugt von der eigenen Hardware. Eine ähnliche Geheimnistuerei was deren technischen Daten angeht, gab es zuletzt bei der Wii und was am Ende dabei herausgekommen ist, wissen wir alle. Mich stört besonders die Selbstverständlichkeit, mit der Fragen nach Chips und Ram weggewischt werden. Erinnert ihr euch noch, wie damals Super Nintendo und vor allem das Nintendo 64 beworben wurden? Als hochpotente Hightechgeräte, die der Konkurrenz voraus sind. Jetzt unterhalten wir uns allen Ernstes darüber, dass die Wii U soviel wie Xbox und PlayStation können soll und vielleicht, ja möglicherweise, nicht ausgeschlossen, sogar ne Schippe mehr. Wen das beeindruckt, dem ist wirklich nicht zu helfen.

Sicherlich wird nicht jeder diese Ansichten teilen, für meinen Teil aber war die Gamescom einmal mehr nicht wegen Nintendo interessant, sondern aufgrund der Konkurrenz, die zwar auch weitgehend in der Fortsetzungsschleife hängt, diese Spiele aber auf einem fantastischen technischen Niveau gelandet sind und zur Evolution des Mediums beitragen.

Es wird Zeit für ein neues Nintendo, das seine hochklassigen Franchises mit denen der anderen Publisher auf einer leistungsfähigen Plattform vereint und die Attitüde ablegt, immer etwas Besonderes zu sein. Besonderheit ist kein Qualitätsmerkmal, sie kann ebenso gut auch mit negativen Attributen belegt werden. Mario, Zelda und Co. gehören vollkommen zu Recht zu den besten Videospielen der Welt, es wird Zeit, dass sie sich wieder so präsentieren dürfen!

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